Am Donnerstag, den 5. 3. 2026, fand in der Aula des Bismarck-Gymnasiums der traditionelle Abiturientenvortrag für das Schwerpunktthema im Fach Latein statt.
Dieses Jahr sprach Dr. Stefan Faller, der an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg lehrt, über Schicksalsbegegnungen – Aeneas und seine Welt. Dabei spannte er einen Bogen von den Schicksalsbegegnungen des Autors Vergil zu ausgewählten fatalen Momenten des Protagonisten Aeneas und ging dabei auf das Konzept des „fatum“ ein. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Zuhörenden, die überaus zahlreich erschienen waren, Gelegenheit, ihr Wissen durch Fragen an Dr. Faller zu erweitern und zu vertiefen.
Wir wünschen allen Abiturienten viel Erfolg für die kommende Zeit – fata viam invenient!
Eine Woche später referierte Prof. Dr. Jonas Grethlein von der Universität Heidelberg zum Thema „Das Vergessen in der Odyssee“. Dieser Vortrag war als ergänzende Vorbereitung für das diesjährige Griechisch-Abitur gedacht, in dem Homers Odyssee das Sternchenthema für die Interpretations-klausur ist.
Prof. Grethlein ging hier u.a. auf das Vergessen als Hindernis für Odysseus‘ Heimkehr (nostos) ein, das sich z.B. bei seinem Aufenthalt auf Ogygia bei der Nymphe Kalypso zeige, bei der er sieben Jahre lang verweilte, ohne an seine Heimat Ithaka zu denken und sie zu vermissen. Hierbei spielte die Liebe (eros) eine entscheidende Rolle, die allerdings nur eine Zeitlang anhielt und die Odysseus am Ende nicht mehr empfand.
Als weiteres Mittel des Vergessens nannte Prof. Grethlein die in der Odyssee erwähnten Drogen bei den Lotophagen, die der Grund dafür waren, dass drei Gefährten des Odysseus, die er als Kundschafter ausgesandt hatte, nicht mehr zurückkehrten, und er die übrigen Gefährten mit Gewalt zurückhalten musste.
Der Gesang schließlich bildete das letzte der drei Mittel, das sich bei Odysseus‘ Begegnung mit den Sirenen zeige, bei der er und seine Gefährten von den wundersamen Stimmen wie in Trance angezogen und nur dadurch gerettet wurden, dass ihnen die Ohren mit Wachs verschlossen wurden und Odysseus sich an den Mast des Schiffes binden ließ. Interessanterweise handle es sich hier allerdings, so Prof. Grethlein, um ein ambivalentes Motiv, da der Gesang zugleich auch der Erinnerung diene, was sich beim homerischen Sänger zeige.
Zum Ende seines Vortrages ging Prof. Grethlein noch auf die politische Dimension des Vergessens im 24. Gesang der Odyssee ein, in dem das Vergessen des Freiermordes zu Versöhnung und Frieden auf Ithaka beitrug, nicht zuletzt durch die Vermittlung Athenes, die als sog. „dea ex machina“ diesen Typus der späteren Tragödie präfigurierte.
Im Anschluss gab es für die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen an den Referenten zu stellen, um vorhandene Problemstellungen zu vertiefen.
Dem deutschen Altphilologenverband im Landesbezirk Nordbaden, und hier besonders Frau Andrea Schludi und Herrn Markus Braun, ist zu danken, dass sie erneut zwei sehr interessante Vorträge zu den Sternchenthemen im Abitur der Fächer Latein und Griechisch organisiert haben!
Jolene Schweikert / Gregor Klant