Das Bismarck-Gymnasium hat eine lange Geschichte. 1586 von Markgraf Ernst Friedrich als höhere Bildungsanstalt in Durlach gegründet, zog es 1724 in die neugegründete Landeshauptstadt Karlsruhe mit um und wurde 1803 in „Lyceum“, später in „Großherzoglich Badisches Gymnasium“ umbenannt. Seit rund 150 Jahren ist das Gymnasium in der Bismarckstraße beheimatet, seit 1938 trägt es seinen heutigen Namen.
Eng verbunden mit dieser Geschichte ist auch die des bedeutsamen Buchbestands, der über viele Jahrhunderte Grundlage für die Ausbildung der Schülerschaft war. Für Unterrichtszwecke besaß das Gymnasium immer schon eine eigene Bibliothek, die zeitweise von den Landesherren eigene Bücherzuwendungen und Geldzuschüsse erhielt. Dem heutigen Gebäude angeschlossen ist auch ein eigener Bibliotheksanbau. Dem Profil eines humanistischen Gymnasiums gemäß umfasste der Buchbestand vor allem Werke der klassischen Philologie und der Religion für die propädeutischen Studien der späteren Pfarrer, aber auch moderne Sprachen, Geschichte, Geographie, Philosophie, Naturwissenschaften und Mathematik waren vertreten.
Nach dem 2. Weltkrieg waren bedeutsame Werke aus der Historischen Bibliothek in die 1944 zerstörte Badische Landesbibliothek und an die Landeskirchliche Bibliothek in der Blumenstraße abgegeben worden. Dazu gehörten syrische oder äthiopische Bibelausgaben, ein syrischer und ein arabischer Pentateuch oder auch ein in Hamburg 1694 gedruckter arabisch-lateinischer Koran. In der theologischen Spezialbibliothek der Landeskirche schienen die teils sehr seltenen und kostbaren Bücher in orientalischen Sprachen, die schon das Gymnasium vorzugsweise für die Vorbereitung auf ein Theologiestudium angeschafft hatte, wohl am besten aufgehoben.
Heute sind im historischen Bibliotheksgebäude des Bismarck-Gymnasiums vor allem noch Schulbücher des 19. und 20. Jahrhunderts untergebracht. Die älteren Bestände, ca. 8.500 Bände, hat die Schule in den 1950er-Jahren und dann noch einmal 1970 an die Badische Landesbibliothek abgegeben. Diese war in der Lage, die Bücher angemessen konservatorisch zu betreuen, professionell für die Nutzung erschließen und der Allgemeinheit verfügbar zu machen. Mit den verbliebenen Büchern, rund 8.000 Bände hauptsächlich aus dem Bereich der Altphilologie, hat das Bismarck-Gymnasium 2012 seine Historische Bibliothek eröffnet.
Am vergangenen Donnerstag wurden die Bestände aus der Landeskirche an die Badische Landesbibliothek übergeben und der historische Buchbestand des Bismarck-Gymnasiums damit wieder vereint. Die gemeinsame Pressekonferenz mit Vertreter*innen aller drei Institutionen zeigte zum einen den Wert der Historischen Bibliothek, zum anderen aber auch die Zusammenarbeit dreier wichtiger Karlsruher Institutionen.
Foto: Mareike Ritter (stellvertretende Referatsleiterin des Evangelischen Archivs Baden und Württemberg), Henning Ohst (stellvertretender Leiter der Abteilung Sammlungen der BLB) und Schulleiterin Julia Hartenstein (von links) führen die historische Schulbibliothek wieder zusammen. (Foto: T. Markowitsch)