Ein Bericht über die Exkursion der 9. Klassen des Bismarck-Gymnasiums zur KZ-Gedenkstätte Neckarelz
Am 11. Februar 2026 verließen wir – die neunten Klassen des Bismarck-Gymnasiums – den gewohnten Schulalltag und machten uns auf den Weg zu einer Vergangenheit, deren Folgen bis zu uns in die Gegenwart reicht. Zusammen mit Frau Ilg, Frau Schweikert und den Herren Markowitsch, Mijatovic und Wasner fuhren wir nach Neckarelz – einem Ort, der für die enge Verknüpfung von Industrie und systematischer Menschenverachtung im Nationalsozialismus steht. Vor Ort führten uns ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte über das Gelände des ehemaligen Lagers und erklärten uns alles sehr verständlich und engagiert.
Bereits bei unserer Ankunft schien das Wetter die Schwere des Themas zu spiegeln: Regen, aufgeweichte Wege, klamme Kälte. Und während wir wussten, dass uns am Nachmittag ein warmer Bus wieder heimbringen würde, wurde uns auf dem sog. „Goldfischpfad“, den die Inhaftierten damals täglich gehen mussten, bewusst, dass es für die Häftlinge damals kein Entkommen gab. Unter dem Tarnnamen „Projekt Goldfisch“ wurden ab 1944 Tausende KZ-Häftlinge gezwungen, einen stillgelegten Gips-Stollen zu einer unterirdischen Anlage auszubauen. Sie mussten Gänge erweitern, Fels abtragen, betonieren, Gleise verlegen und technische Infrastruktur für die geplante Verlagerung der Flugzeugmotorenfertigung von Daimler-Benz schaffen. Die Motoren selbst produzierten sie nicht; sie schufen unter extremen Bedingungen die Voraussetzungen – in einem System der Ausbeutung und Vernichtung durch Arbeit.
Die Führungen machten die Geschichte greifbar. Am eindringlichsten wirkte unter vielen anderen Dingen ein unscheinbares Blatt Papier, eine handgeschriebene Speisekarte, auf der Gefangene Gerichte wie Kastaniencreme, Braten und Obsttorte notierten – alles Speisen, die sie nie erhielten. Während sie tatsächlich nur dünne Suppe und Essensreste bekamen, stellten sie sich diese Mahlzeiten vor, um dem ständigen Hunger und der Not wenigstens in Gedanken etwas entgegenzusetzen. Auch andere erzählte Einzelschicksale machten die Zahlen erlebbar und begreifbar. Der Gang durch den Matsch war somit mehr als eine Wanderung. Das Gehen im “Goldfischpfad” wird zu einer Körpererfahrung: Hunger, Atemlosigkeit, Todesangst waren hier keine Lehrbuchbegriffe mehr, sondern die bittere Realität eines Alltags, der auf Vernichtung durch Arbeit angelegt war.
Gerade heute ist ein solcher Besuch notwendig. Wenn extremistische und menschenverachtende Ideologien wieder laut werden oder die Verbrechen der NS-Zeit relativiert werden, begreift man, wie wichtig historisches Bewusstsein ist. Die Exkursion war daher weit mehr als ein Unterrichtsgang – sie war eine eindringliche Erinnerung daran, dass Freiheit, Demokratie und Menschenwürde keine Selbstverständlichkeiten sind.
– Daniel Harzbecker